Kapitel 6.0 Die Verschlechterung

Die Zeit nach der Reha! Die Verschlechterung.

Zurück von der Reha und voll motiviert machte ich mein Sportprogramm weiter. Das Training galt der Ausdauer und dem Gewichtsverlust. Ich wollte doch endlich wieder aussehen wie früher.

Nach der Reha bekam ich noch eine kurze Krankmeldung und dann wurde mir mitgeteilt, dass ich jetzt wieder arbeiten gehen könnte.  Meine Zweifel stiegen stätig an. Ich konnte mir nicht vorstellen das ich einen 6 h Tag in einem Pflegeheim schaffen würde. Und unsere Tage als Schwester sind auch nicht 6 Stunden, sondern 12 Stunden. Dies war zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall möglich. Trotzdem, es wurde am Anfang der Reha ein Ultraschall gemacht und an diese Diagnose hielt sich jeder.

Und niemand, hat diese Diagnose bezweifelt. NIEMAND! Egal ob bei den Chefvisiten oder beim Hausarzt oder sonst wo. Nein den Fehler suchten alle bei mir, also genau gesagt, in meiner Psyche. 

Ich muss dazu sagen, dass wenn ein Facharzt einen Ultraschall macht, dieser eigentlich auch passen sollte. Es kann nicht jeder Arzt einen kontroll Ultraschall machen, denn eigentlich sollte man den Facharztkollegen vertrauen können.

Somit wurde mein Krankenstand beendet.

Ich meldete mich gleich beim AMS, denn Gesundheits- und Krankenpflegerinnen suchen sie ja wie Sand am Meer. Obwohl ich ein Attest hatte, dass ich eigentlich nicht mehr am Krankenbett arbeiten kann, aus unterschiedlichen Gründen, kam eine Zuweisung nach der anderen.

Die Verzweiflung in mir wuchs von Tag zu Tag. Mein Problem war nicht, dass ich Arbeit suchen musste. Ich war super motiviert. Aber ich wusste, ich schaffe dies körperlich nicht.

In dieser Zeit hatte ich auch endlich mein KONTROLL MRT im Krankenhaus. Zu dem Termin fuhr ich mit meinem Mann, dies ging auch relativ schnell. Ich war wirklich zum ausgemachten Termin dran, dass dauerte wieder ca. 1,5 h. Denn solange dauert ein MRT des Herzes. Du musst auch nichts machen außer Luft anhalten, ausatmen, weiter atmen…. so geht das die ganze ZEIT.

Eine Woche später hatte ich dann den Termin für die Befundbesprechung.

Zu diesem Termin kam ich mit meiner 11-jährigen Tochter. Wir saßen relativ entspannt im Wartesaal. Ich habe mich an dem Tag entschieden meine Tochter mitzunehmen, da ich eigentlich von nichts Schlimmen ausgegangen bin. Wiedermal nach Stunden des Wartens, kennt man eh schon, kam ich endlich dran.

Wir gingen in die Ambulanz, dort saß ein junger Assistenzarzt welcher mit mir dann einfach zu sprechen begann und er sagte, dass ich jetzt noch Tabletten dazu nehmen müsse und wir dann schauen müssen. Ich sah ihm einfach nur an und hatte keine Ahnung was er mir eigentlich sagen wollte. Denn ich bin davon ausgegangen, dass es wahrscheinlich noch nicht ganz passt, aber das er mir dann auf einmal sagte, dass meine Leistung weiter gesunken ist, zog es mir den Boden unter den Füssen weg.

Ich stand jetzt da, eigentlich stand nur mehr mein Körper da, mein Geist hatte meinen Körper verlassen und schaute sich das ganze jetzt von oben an. Es war als ob ich jetzt nur mehr anwesend war, alles war in Zeitlupe und wie ein Film. Nebenbei bekam ich keinen Ton heraus.

Meine Tochter saß auch in diesem Raum. Hätte ich gewusst was an diesem Tag geschehen würde, hätte ich sie niemals mitgenommen. Ich wusste nicht wo ich meine Blicke hinwenden sollte, mir standen die Tränen, nur meine Kleine sollte es nicht sehen. Denn für sie bin und bleibe ich die starke Mama. Ich schickte sie raus. Der Arzt nahm dies einfach sprachlos zur Kenntnis.

Als versuchte Erklärung sprach er von, er weiß jetzt auch nicht warum die Leistung nicht steigt. Ich schaute ihn wirklich verdutzt an und fragte, was denn jetzt genau los sei. Denn bei der Reha hätte man mir ja gesagt, dass ich so gut wie geheilt wäre. Daraufhin war sein Blick etwas skeptisch, und er machte zur Sicherheit einen ewig langen Ultraschall. Danach teilte er mir mit das meine Herzleistung jetzt bei 35% liegt und nicht bei 60% und sich da die Kollegin wahrscheinlich etwas vermessen hat.

Ja stimmt, ist ja nicht so viel um, kann ja passieren!

Ich verlies das Krankenhaus mit einem Gefühl, dass ich euch gar nicht beschreiben kann. Hilflosigkeit, Angst, Wut, Verzweiflung alles kam in mir hoch. Und jetzt hinten nach gesehen hätte mir ein kompetentes Arzt Patienten Gespräch geholfen. Darunter verstehe ich ein Gespräch zwischen einem Facharzt und mir und nicht zwischen dem Assistenzarzt und einer verzweifelten Mutter, welcher 0 Gespür für so ein Gespräch hatte. Und auch nicht das Fachwissen, zumindest hatte man das Gefühl. So stand ich da, an einem Tag, an dem ich definitiv mit einer positiven Nachricht gerechnet hatte.

Ich wollte es jetzt auch genau wissen, wie es so etwas geben kann, und was wir jetzt machen sollten. Darauf meinte der junge Assistenz Arzt, kommen sie in 3 Monaten wieder und dann schauen wir mal, ob die Leistung weiter sinkt.  Aha, in 3 Monaten. Dies korrigierte die Ambulanzschwester, welchen dem jungen Doktor eigentlich immer die indirekten Tipps gaben, wie z.B. vielleicht sollten wir bei ihr schon in einem Monat kontrollieren. Welches er dann auch so machte.

An diesem Tag ist für mich eine WELT zusammengebrochen.

Meine Gedanken kreisten an diesem Tag nur mehr um das Thema Herz. Ich heulte mir die Augen aus. Wie kann das alles sein. Die Verzweiflung stieg ins Unermessliche.

Nicht nur dass ich wieder neue Medikamente bekam, meine alten wurden wieder erhöht. Alles ging von vorne los.

9 Monate nach dem ersten Befund, eine Verschlechterung statt Besserung. War alles was ich bis jetzt tat umsonst? Meine beruflichen Zukunftsängste wurden immer mehr. Kann ich meinen Beruf überhaupt noch ausüben? Wie soll ich meinen Lebensunterhalt in Zukunft verdienen? Was alles an einer Diagnose hängt, ist eigentlich unwahrscheinlich. So enttäuscht war ich in meinem ganzen Leben noch nicht.

2 Kommentare zu „Kapitel 6.0 Die Verschlechterung

  1. Nein, nichts im Zusammenhang mit so einer Diagnose ist unwahrscheinlich. Schließlich ist das kein Schnupfen. Ich kann auch deine Enttäuschung nachvollziehen. Nur deine Enttäuschung dürfte das kleinste Übel sein, vermute ich.

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