Kapitel 5.0 Die Reha

Die REHA!

Wochenlang fieberte ich schon auf den Termin hin. Ich habe mich nach so vielen Monaten zuhause, schon richtig gefreut. Endlich eine andere Umgebung, neue Menschen kennenlernen. Und täglich richtig trainieren. Das ist eigentlich alles genau meins. Da fühle ich mich wohl.

In dem Rehazentrum kannte ich mich auch aus, da war ich schon einmal auf Kur!

Nach einer freundlichen Begrüßung von den Damen am Empfang, ging es eigentlich gleich weiter im Programm. Die Koffer wurden auf das Zimmer gebracht, ich folgte unauffällig.

Das Zimmer war wunderschön. Ein Einzelzimmer mit Blick über das ganze Land, auf der Sonnenseite. Ich war total happy.

Kurz darauf folgte die ärztliche Aufnahme. Ich war einer jungen Oberärztin zugeteilt. Sie machte mit mir die Anamnese. Also berichtete ich ihr von all meinen Problemen, welche zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall die fehlende LUFT war und auch meine allgemeine Leistungsfähigkeit. Ich erklärte ihr, dass ich mehr Pausen brauche und auch dass ich meinen Haushalt zuhause auch nur in Etappen schaffen würde.

 Daraufhin machte sie mit ihren Aufnahmeuntersuchungen weiter. EKG wurde geschrieben und ein Herzultraschall wurde gemacht. Der Ultraschall dauerte einige Zeit und dann kam der erste Knaller! Die Fr. Doktor meinte, das sie an meinem Herzen nichts feststellen könne und ich eine Herzleistung von 60% (normalwert 55-70%) hätte. Ich war sehr überrascht. Denn das Gefühl, dass alles ist wie vorher, hatte ich definitiv nicht.

 Sie meinte, dass meine Probleme vielleicht wo anders herkommen würde, eventuell psychisch. Das kennt jetzt bestimmt ein großer Teil von euch, PSYCHISCH, ja wenn sie nichts finden ist es psychisch. Wenn heute jemand zu mir sagt es ist psychisch, sehe ich rot. Das könnt ihr mir glauben. In mir waren in dem Moment sehr gemischte Gefühle. Auf der einen Seite, die große Freude!!!! Ich bin wieder gesund!!!!JUHU!!!!! Auf der anderen Seite das Gefühl, dass da aber etwas nicht stimmen kann, aber gut ich bin ja nur der Patient, was wird der auch schon wissen. Ich fragte mehrmals, ob sie sich sicher ist. Und erklärte ihr auch meine Bedenken. Aber gut, wenn sie das sagt, wird es schon so sein.

Ein positives hatte es auf jeden Fall, ich war jetzt noch positiver auf meine Reha eingestellt. Die Abläufe kannte ich ja schon, die Gebäude waren mir auch bekannt. So muss ich sagen hatte ich es wirklich leicht den richtigen Speisesaal zu finden. Dort angekommen, erhält man auch einen Platz zugeteilt.

Also da hatte ich ja wieder mal Glück, auf so einem lustigen und entspannten Tisch zu landen.

Wir 3 Damen und ein jüngerer Herr hatten wirklich Spaß zusammen. Die Tage darauf vergingen wie im Flug! Abends holten wir das Programm für den nächsten Tag und bereiteten uns dementsprechend auf den nächsten Tag vor. Die Tage waren ziemlich vollgestopft mit Therapien.

Das störte mich gar nicht! Ich mag es, wenn mein Tag strukturiert durchgeplant ist. Es ist unwahrscheinlich welche Menge von Patienten und Therapien dort täglich koordiniert werden müssen.

Ich durfte jeden Tag raus auf die frische Luft, in den Wald und in die Natur. Es war einfach nur traumhaft. Abends wenn es schön war, ging ich manchmal noch ein paar Längen schwimmen und danach war relaxen auf der Sonnenterrasse angesagt.

Mittlerweile hatten wir uns an unserem Tisch richtig angefreundet, zumindest Irmgart und ich. Und deshalb vergingen jetzt die Abende auch umso schneller.  Irmgart ist ein alter Hase von der man noch viel lernen kann. Sie ist genau das gleiche Geburtsjahr wie mein Vater. Und sie hat eine Einstellung zum Leben, welche ich einfach unglaublich finde. So Menschen lernt man wirklich nicht viele kennen. Aber die, die man kennt bleiben in Erinnerung. Mit Irmgart gabt es kein rechtzeitiges Schlafengehen, denn beim Schlafen und im Zimmer könnte sie ja etwas versäumen, so war ihr Motto. Also waren sehr unterhaltsame Abende vorprogrammiert. Aber alles müsst ihr auch wieder nicht wissen 😊…….

Die Tage waren sehr anstrengend. Täglich Ergometertraining und die viele andere Sportarten ermüdeten mich ziemlich. Aber wie gesagt, ich bin ein Beißer. Aufgeben gibt es nicht und deshalb wird auch bis zur absoluten Erschöpfung trainiert. Schließlich will ich wieder gesund werden.

Meine Muskulatur baute sich auch super auf. Dazu muss ich aber sagen, dass vom Skifahren, vorher schon eine Grund Kondition vorhanden war.

Nur die LUFT, die kam nicht. Sobald ich leicht Bergaufgehen musste, war ich so außer Atem, dass ich eine kurze Pause brauchte.

Einmal die Woche war auch „CHEFVISITE“, sprich da macht der Primar Visite. Die ist zeitlich begrenzt und dann hast du ca. 5 min mit ihm Zeit zu sprechen. Dies nutzte ich natürlich auch aus und klagte ihm mein Leid, mit der Atemnot. Er machte einen Blick in die Patientenmappe und meinte, beim Herz ist ja laut ihrer behandelnden Ärztin wieder alles in Ordnung, wahrscheinlich sind sie noch PSYCHISCH belastet.

Somit war für alle klar, es liegt an meiner Psyche. Dazu muss ich sagen, dass ich mich selber recht gut einschätzen kann, ich bin für klare Fakten. Ich bin auch ein Realist. Also konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen das dies an meiner Psyche lag. Aber gut, wenn es alle sagen, dann gehen wir zum verordneten Psychologen. Dort hatte ich dann 3 Termine, in welchen er probierte, meinem Problem auf den Grund zu gehen.

Es waren wirklich gute Gespräche, welche ich mit dem Hr. führen durfte. Er half mir wirklich weiter, zwar nicht bei meinen Atemproblemen, aber dafür bei anderen Dingen, die noch belastend auf der Seele lagen.

Ich musste auch in den 3 Wochen regelmäßig Blutdruck und Puls messen, welches ich 3-mal täglich machte. Es gab immer so Phasen, in welchen ich mich auf einmal so müde fühlte. Und manchmal war es so als ob ein Karussell im Kopf losfährt, und du dich bemühen musst stehen zu bleiben.

Und genau in solchen Situationen, kam mein Wissen und mein klarer Verstand zum Vorschein, denn ich machte jedes Mal an mir selbst alle Maßnahmen, welche zum Treffen wären, falls ich kollabieren würde. Ich probierte mich zu fühlen, zu spüren! Und meinem Körper das zu geben, was er in diesem Moment braucht.  Den Fehler, zu den Schwestern zu laufen habe ich in den 3 Wochen nur einmal gemacht.

Schwester darf man ja nicht mehr sagen, wir sind jetzt Pflegerinnen. Laut Gesetz. Trotzdem bleiben wir hier in den Berichten bei der Betitelung Schwester, damit wir auch alle wissen wer gemeint ist.

Ich saß also wieder in meinem Zimmer und mir ging es nicht gut, also schnell RR (Blutdruck) messen. Und da hatten wir auch gleich den Fehler. Mein Blutdruck war 95/60 mit 34 PULS. Meine zuständige Oberärztin meinte auch, falls sowas wäre sofort ins Schwesternzimmer und dies dort melden damit sie dann EKG schreiben könnten.

Gesagt getan, ich raffte mich in meinem Zimmer auf, bemühte mich nicht umzukippen und ich machte mich auf Richtung Schwesternzimmer. Dort angekommen, im Aufenthaltszimmer war zu diesem Zeitpunkt niemand, kam die Schwester aus einem Patienten Zimmer. Ich erklärte ihr, zitternd und etwas kaltschweißig, was los sei. Daraufhin kam von ihr eine etwas kühle und schnippische Antwort, wo ist ihre Therapiekarte? OHHHHHH Shit, dachte ich mir, die habe ich jetzt im Zimmer vergessen.  Daraufhin die Schwester, ja wenn sie die nicht dabeihaben, mache ich gar nichts. Gehen sie zurück in ihr Zimmer und holen sie die Karte.

Mein Blick war, wie von einem Kleinkind, welches das Christkind zum ersten Mal sah. Ich konnte nicht fassen, was meine Berufskollegin gerade zu mir sagte. Ich hörte ähnliche Beschwerden auch von Mitpatienten, welche ich kaum glauben konnte. Aber diesmal hatte ich es selber erlebt. Es ist leider so, dass wir bei der Pflege an einem Punkt angekommen sind, wo die Dokumentation wichtiger ist als ein Mensch! Hätte sie mich angesehen, hätte sie sehen müssen, dass es mir gar nicht gut ging.

Ich stand da also mit zittrigen Knien, etwas blass vor der Schwester. Welche mich danach nicht weiter beachtete. Mein Puls und Blutdruck waren zu diesem Zeitpunkt sicher nicht mehr so niedrig, da ich mich wirklich ärgerte. Ich nahm den beschwerlichen Weg zurück in mein Zimmer und ich bin an diesem und auch an keinem weiteren Tag mehr zu den Schwestern gegangen, außer ich musste.

Es ist unwahrscheinlich was Pflegekräfte leisten müssen, wer es nicht selber schon gemacht hat weiß nicht wovon ich rede. Und es ist schlimm wie der Sparstift an dem Personal angesetzt wird. Es läuft alles nur mehr auf Druck und du musst und du musst…….

Trotz allem belästige ich Kollegen nur wenn es sein muss! Nur wenn man nach der Visite ins Schwesternzimmer geht und dort die Änderungen bekannt gibt, ist es halt für den Patienten nicht angenehm, wenn die Schwester jedes Mal stöhnt oder die Augen verdreht, wenn ein Arzt etwas anordnet oder die Anordnung ändert. Man hat da schon ein schlechtes Gewissen als Patient.

Da ich in dem Beruf selber tätig war, kann ich sie auch gut verstehen, denn so wie unser Beruf einmal war, ist er schon lange nicht mehr. Trotzdem möchte ich hier auch an alle appellieren, die in einem Gesundheitsberuf sind- verliert das Einfühlungsvermögen nicht!!!! Verlernt doch das Zuhören nicht!!! Denkt euch mal wie ihr euch fühlen würdet? Ich kann es euch sagen, man fühlt sich beschissen. Nicht ernst genommen. Belächelt. Verzweifelt. Hilflos. Gefangen. Enttäuscht.

Es waren so tolle 3 Wochen, die Therapeuten, Sportmediziner und Trainer sind mit Geduld und einem lächeln auf den Lippen unterwegs. Das gibt uns als Patienten so viel mehr, als in angefressene überlastete Gesichter zu schauen. Natürlich waren nicht alle so! Das muss ich wirklich betonen! Es gibt sie noch, diese Schwestern, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.

Ich ging auch mit Sicherheit an meine Grenzen, mit dem Training! Zufrieden war ich aber trotzdem nicht. Es war einfach so…… ich bekam noch immer keine Luft. Welches ich bei jeder Gelegenheit auch anbrachte. Aber es schien jedem egal zu sein. Wahrscheinlich haben sich alle gedacht, dass bildet sie sich nur ein.

Und um das hier noch einmal zu erwähnen – es wurde nur ein Ultraschall gemacht! Bei der Aufnahmeuntersuchung. Bei welchen die OÄ sagte, sie könne am Ultraschall nichts erkennen. Alles soweit in Ordnung.  So schrieb sie es auch in den Entlassungsbericht.

Und so nahm alles seinen Lauf, was geschieht, wenn im Entlassungsbericht drin steht das man wieder gesund ist, könnt ihr euch ja vorstellen.

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