Kapitel 13.0 Tage der Finsternis!

Die Tage der Finsternis!

Wie ich euch ja schon berichtet habe, gibt es mit den ganzen Tabletten auch ein Haufen Nebenwirkungen. Am meisten belastet mich, dass es brutal auf die Psyche geht. Wie nutzlos und wie hässlich man sich dabei fühlt kann man kaum beschreiben.

Bei mir sind mittlerweile die Spiegel abgehängt, damit ich mich nicht sehen muss. Denn jedes mal, wenn ich ein Spiegelbild von mir sehe, erschrecke ich so dermaßen, dass ich direkt losheule.

Es gibt oft Tage, an denen ich so gerne etwas unternehmen würde, dann sehe ich mich im Spiegel, dann mag ich nicht mehr.

Ich bin die letzten 2 Jahre so oft wegen ein paar Kilogramm, die ich mehr habe seit ein paar Geschehnisse vor paar Jahren, blöd angemault worden.

Normal sollte ich da drüberstehen, aber das kann ich leider nicht. Bei mir zuhause war es so, dass es sich ständig nur um die Figur drehte. Für meine Eltern ist schlank sein das Amen im Gebet. Alles wird daran festgemacht. Und wenn man sie trifft, dann belehren sie einem, was man machen sollte damit man wieder DÜNN wird. Damit man in die Gesellschaft passt. Fasten ist ihre Mission.

Es war eigentlich immer so, dass ich immer egal wann, ich dachte ich sei zu dick.

Wenn ich jetzt Fotos von früher ansehe, verstehe ich mich selbst nicht. Wie kann man ein so falsches Selbstbild von einem selbst haben.

Ich selbst bin eigentlich auch gerne schlank, da ich ja gerne Sport mache.

Letzten Sommer hatte ich ein Erlebnis diesbezüglich.

Wir gingen an einem schönen Wochenende mit meinen Eltern und ihren Freunden wandern. Für mich war es die erste Wanderung in höheren Lagen. Ich wählte mein Tempo so, dass es dem Puls angepasst war. Es lief gar nicht schlecht, für meine derzeitigen Verhältnisse. Natürlich gingen die schnelleren voraus. Und ich mit meinem Vater hinter her. Bis zur Hälfte ca. da wartete der Freund meines Vaters auf uns. Der hatte original nichts Besseres zu tun, als zu sagen „wenn man halt paar kg Zuviel hat, kann man nicht schneller sein“! Ich muss sagen, mir tat das zu dem Zeitpunkt so weh. Das kann ich euch gar nicht beschreiben. Ich war gerade so stolz, dass ich eine so lange Wanderung geschafft hatte, vor allem nach den Monaten der Bettruhe und den unzähligen Krankenhausaufenthalten. Ich war so enttäuscht über eine so dumme und unüberlegte Aussage von jemanden der sich Freund meiner Eltern schimpft.  Für mich war der Tag somit gelaufen. Ich drehte um, ging zum Auto zurück und ich glaub ich habe an diesem Tag kein Wort mehr gesprochen.

Es sind zwar immer nur Kleinigkeiten. Aber sie verursachen tiefe Krater in meiner Seele.

Auch im letzten Jahr, war ich mit meiner Tochter einkaufen. Da trafen wir eine alte Schulkollegin von mir. Wir haben uns kurz unterhalten, dann kam ihre Mutter dazu. Welche dann meinte…. „oh ich habe dich gar nicht erkannt, da du so dick geworden bist“ und klopfte mir noch rotzfrech auf mein Hinterteil. Das Beste war, sie hörte auch gar nicht damit auf. 

Wieder das gleiche, der Tag war gelaufen ich zuckte kurz darauf völlig aus. Wie können Menschen nur so sein. Überhaupt genau die, die selbst so einen Dreckhaufen vor der Türe haben.

Manche von euch werden das nicht verstehen warum mich das so aufregt, andere werden es sehr gut verstehen. Ich bin bei diesem Thema halt echt sensibel.

Und außerdem brauche ich dann Tage bis ich mich wieder beruhigt habe.

Das war letztes Jahr schon so, was glaubt ihr wie es mir jetzt unter der Cortison Therapie geht. Mein Gesicht ist einem Hamster gleichzustellen.

Mein Hals mein Nacken alles so aufgeblasen. Nennt man dann Stiernacken.

Ich sehe die Blicke von den Menschen, die mich normal kennen und die jetzt nicht wissen was mir fehlt.

Wenn ich derzeit einkaufen gehe, Wickel ich mir ein langes Seidentuch um den Hals und das halbe Gesicht, dass es einfach niemand sieht, bzw. so wenig wie möglich von mir sieht.

Die Augenringe tief und dunkel. Ich sehe einfach krank aus.

Ich habe jetzt 4 Monate hinter mir, die restlichen 2 schaffe ich auch noch. Obwohl jeder einzelne Tag ein Kampf ist.

Während der Therapie, ist halt jedes falsche Wort für mich irre belastend. Es bring mich jede Kleinigkeit aus der Ruhe. Und da muss jetzt oft niemand etwas sagen. Es reicht, wenn ich mich im Spiegel sehe.

Normal sitze ich nicht ständig zuhause rum. Das halte ich eigentlich gar nicht aus. Im Gegensatz zu meinem Mann, dem wäre des glaub ich egal, wenn er zuhause auf der Couch sitzen kann, ist er glücklich.

Vor kurzem war ich in Ungarn mit einer Freundin, dort wurden mir auch meine Grenzen wieder aufgezeigt. Wir gingen Shoppen, leider musste ich nach knapp 30 Min das Geschäft verlassen, da ich sonst kollabiert wären. Das sind die Momente, die dich am Boden der Tatsachen holen. Und dann kommt meine Angst, werde ich jeh wieder ganz gesund?

4 Kommentare zu „Kapitel 13.0 Tage der Finsternis!

      1. Schmunzel … Ja, so etwas kenne ich auch. Mittlerweile klappt es aber immer besser, dass ich gleich den „Mund“ aufmache und was dazu sage. Allerdings hat das auch schon dazu geführt, dass ein paar Bekannte abhanden gekommen sind. Aber besser so, als sich immer über sich selber zu ärgern.

        Ich denke, dass wird schon irgendwann bei dir auch werden. 🙂

        Gefällt 1 Person

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